Bruchklingen

Naugron

Naugron – ein wahrlich untypischer Name für einen Argonier, nicht wahr?  Nun lasst mich Euch berichten, wie ich zu diesen Namen kam.

 
Ich wurde in Schwarzmarsch geboren, in einem kleinen Dorf nahe der Küste. In der Nacht meiner Geburt schien hell das Sternenzeichen des Lehrlings am Himmel, welches, nicht zuletzt, meine Begabung für die magischen Künste erklären sollte. Doch waren es nicht nur Sterne, die mir Glück bringen sollten, sondern auch für ein Wandeln in meinem Leben stehen. 

 
Es war noch zu der Zeit, als ich ein Schlüpfling war, als ich den Armen meiner Familie entrissen wurde.  Die Küste von Schwarzmarsch wird seit jeher von Piraten heimgesucht und eben jenen viel auch mein Dorf zum Opfer. Die Piraten plünderten mein Heimatdorf und brachten die Bewohner, meine Familie und mich eingeschlossen, auf ihre Schiffe, um uns, als Sklaven zu verkaufen. Doch sollte mein Leben so aussehen, ein Leben in Ketten, wie es so vielen anderen Argoniern vor mir erging?

 
Nein, denn die Piraten wurden ihrerseits, als sie gerade ihren erfolgreichen Überfall feierten, von einer Flotte Kaiserlicher überrascht.  In der darauf folgenden Schlacht nutzen meine Eltern, sowie die anderen gefangenen Argonier, das Chaos um sich zu befreien und fielen den Piraten in den Rücken. Doch ohne Waffen waren sie keine Herausforderung für die Piraten.

 
Woher ich das alles weiß, obwohl ich noch zu jung war, um mich an all dies zu erinnern? Dies verdanke ich einem Kaiserlichen Kapitän, Astius Sirentius, den ich später „Vater“ nennen würde. Er führte den Angriff auf das Schiff, auf dem ich und die Dorfbewohner gefangen gehalten wurden, an. Doch Astius schaffte es nicht rechtzeitig durch die Reihen der Piraten zu brechen um einen einzigen der Dorfbewohner zu retten. Er fand nur die Leichen, eben jener und meiner Familie.  Doch als er gehen wollte, hörte er ein leises Weinen und so fand er mich, versteckt hinter einem Fass. Er nahm mich auf und hielt mich in seinen Armen und dabei beschloss er, mich aufzunehmen als seinen Sohn – Naugron und er brachte mich in seine Heimat, die Kaiserstadt.

 
So wuchs ich nun auf, ein Argonier, adoptiert von einem kaiserlichen Kapitän, im Herzen des zweiten Kaiserreichs. Schon sehr früh entdeckte man meine Begabung in der Magie und so brachte mich mein Vater zur Magiergilde, in der ich mich dem Studium der arkanen Künste widmete, genauer gesagt, der Feuermagie, sowie der dunklen Magie.  Es war zwar kein einfaches Leben, da ich stets bedacht war meinen Vater stolz zu machen, auch war ich einer der wenigen Argonier, in der Kaiserstadt und auf den Straßen, folgten mir stets abwertende Blicke. Ich wusste, dass mich nicht zuletzt der Rang und Name meines Vaters vor Übergriffen oder Schlimmeren schützte.

 
So vergingen die Jahre, doch eine Nacht sollte mir für immer im Gedächtnis bleiben.  Es war eine warme Sommernacht, ich las gerade im Schein der Kerzen ein Buch, als es lautstark an der Tür klopfte. Ich ging hinab und öffnete sie, als ich in das schweißgebadete Gesicht meines Vaters blickte. Ohne das ich ihn fragen konnte, was passiert sei, lief er bereits los und ohne zu fragen folgte ich ihm. Er brachte mich zum West Tor der Kaiserstadt, wo er mich ein letztes Mal umarmte und mir ein Stoffbündel in die Hände drückte bevor er nur sagte: „Lauf“ und ohne ein weiteres Wort umkehrte, zurück in die Stadt.

 
Ich blieb zuerst wie angewurzelt stehen, doch dann rannte ich und rannte bis die Sonne am Horizont aufging.  Erst dann, außer Atem, fand ich denn Mut stehen zu bleiben und öffnete das Bündel, in dem sich eine Tasche voll Gold sowie ein Brief befand.  In dem Brief erklärte er mir, dass ein Umbruch in der Kaiserstadt bevorstand und um mich zu schützen, musste er mich aus der Stadt schicken, da er, als Kapitän, Teil einer Säuberung werden sollte. 
Und so war ich erneut allein, nur mit einer Tasche voll Gold und der Kleidung, die ich am Leibe trug. Ich verließ, so schnell ich konnte, Cyrodiil und zog durch die Länder von Hochfels. Ich lernte meine magischen Talente, sowie mein Wissen, welches ich in der Magiergilde erlangt habe, zu Gold für Essen und Herbergen zu machen, doch ich vergaß nie, was mich mein Vater einst lehrte und ich nahm nie ein unschuldiges Leben.

 
So vergingen einige Jahre, die ich als Reisender auf der Straße verbrachte. Bis ich in einer Herberge von einer alten Ruine in Glenumbra hörte, die einst von den Wildlandelfen, auch Ayleid genannt, erbaut worden war. Nachdem mich diese Mer und ihre Magie, seit jeher faszinierten, brach ich auf und hell am Nachthimmel schien das Zeichen des Lehrlings. Ich wusste, dass ich mehr als nur zerfallene Steine finden sollte.
Nun, dies ist meine Geschichte, oder zumindest ein Teil davon, denn was während meiner der Zeit meiner Reisen geschehen ist, ist eine andere Geschichte.

 
*der Argonier wendet sich, mit einem Lächeln, ab, doch sieht dieses Lächeln im Schein des Feuers aus, wie das eines Wolfes*